20 Okt 2016

Paralympics Rio 2016 - Paralympisches Diplom!

Liebe Fans, Freunde und Supporter

Erlebnisreiche Wochen durfte ich an den Paralympics in Rio de Janeiro erleben. Am 7. September wurde das paralympische Feuer im Rahmen einer atemberaubenden Eröffnungsfeier entfacht. Hinter der Schweizer Fahne ins legendäre Maracana-Stadion einzulaufen und von nahezu 80'000 Zuschauern in Empfang genommen zu werden, ist einfach unbeschreiblich schön und gigantisch. 

Nach einigen Tagen fand ich mich im weitläufigen Olympic Village zurecht und lebte mich in unserer Mädels-WG gut ein. In den darauffolgenden Tagen durfte ich sehr viel erleben. Wir wurden zum Beispiel vom Bundesrat Alain Berset empfangen, welcher den Bundesrat vor Ort vertreten hat. Es war ein phantastisches Gefühl, als ich das erste Mal auf der Wettkampfstrecke trainieren durfte, denn der Kurs entsprach exakt meinen Erwartungen und Vorstellungen. Die Zeit verging wie im Fluge und der erste Wettkampftag rückte immer näher. Damit stieg natürlich auch die Anspannung und die Freude auf meine Rennen. Ich hatte genügend trainiert und wollte nur noch die Rennen fahren!

Am Mittwoch 14. September war es dann endlich soweit, das Zeitfahren über 20 Kilometer entlang der Küste stand auf dem Programm. Hart und kompromisslos habe ich auf diesen einen Moment hingearbeitet und davon geträumt, an diesem September-Tag auf dieser Startrampe zu stehen. Von Beginn an fuhr ich einen hohen Rennrhythmus und zeigte bis ins Ziel ein starkes Rennen. Total erschöpft aber glücklich erreichte ich das Ziel und meine Zeit reichte für den 10. Platz. Mit meiner Leistung bin ich zufrieden und es hat Spass gemacht. Mir ging es darum, den ersten Auftritt an den Paralympischen Spielen zu geniessen. Aufgrund der Klassenzusammenlegungen mit den Kniebikerinnen war von Anfang an klar, dass keine top Platzierung möglich war. Zu stark wiegt der Vorteil eines intakten Rumpfes. Dominiert wurde das Rennen von den beiden Deutschen Kniebikerinnen, die einen Doppelsieg einfuhren.

Tags darauf, dem Donnerstag 15. September stand das Strassenrennen, über fast die selbe Strecke aber über 3 Runden à 15 Kilometer auf dem Programm. Dank unseren Physiotherapeuten, viel Schlaf und ausreichendem Essen konnte ich mich sehr gut erholen. Zusätzlichen Motivationsschub verlieh mir wenige Minuten vor dem Startschuss die Gold-Medaille von Marcel Hug. Diese tolle Nachricht beflügelte mich und motivierte mich noch mehr. Wie erwartet ging es vom ersten Meter an voll zur Sache und die Athletinnen drückten mächtig in die Kurbel. Mein Start war für meine Verhältnisse gut aber dies reichte nicht um den Anschluss an die Spitzengruppe herzustellen. Ich kämpfte mich aber Platz um Platz nach vorne. Wie meistens an Titelwettkämpfe war auch dieses Rennen äusserst taktisch. Nach Tempoverschärfungen wurde gebummelt, dann attackierte wieder eine Athletin, dann wurde wieder einige Kilometer regelmässig gefahren und dann fing es wieder an. Zwei Kilometer vor dem Ziel griff ich an. Mein Instinkt sagte mir, jetzt oder nie. Das Tempo konnte ich durch diesen Antritt innert wenigen Sekunden in die Höhe treiben. Mir war bewusst, dass ich dieses hohe Tempo durchziehen musste, um nicht wieder eingeholt zu werden. Einen Kilometer vor dem Ziel wusste ich, dass ich auf Diplomkurs lag und dies wollte ich nicht mehr hergeben. Keine Ahnung von wo ich die Energie nahm aber ich konnte das Tempo bis ins Ziel durchzuziehen und die neunt platzierte Athletin um 17 Sekunden distanzieren. Auf den letzten zwei Kilometer bin ich über mich hinausgewachsen, noch nie bin ich so gesprintet! 

In der dritten Handbike-Saison ein paralympisches Diplom zu gewinnen ist einfach genial! Ich freue mich immer noch riesig darüber.

Am 20. September wurden wir am Flughafen Kloten lautstark empfangen. Ich war beeindruckt und überwältigt, wie viele Leute in der Ankunftshalle standen. Herzlichen Dank an alle Personen die mich auf dem Weg an die Paralympics und während den Spielen unterstützt haben. Besonderen Dank an mein Team und meinen treuen Sponsoren!

Eure Sandra